Viele Frauen, die über eine Brustvergrößerung, Bruststraffung oder Brustverkleinerung nachdenken, leben mit einer chronischen Erkrankung. Ein gut eingestellter Diabetes, eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Autoimmunerkrankung schließen eine Brust-OP nicht automatisch aus. Sie verändern aber die Planung. Dieser Beitrag zeigt, wie ein sorgfältiger Brustchirurg Vorerkrankungen erfragt, welche Unterlagen er braucht und wie Sie das Gespräch gut vorbereiten. Er ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob und wann ein Eingriff für Sie in Frage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt und den Ärzten, die Ihre Erkrankung behandeln.
Warum Vorerkrankungen in die Planung gehören
Eine ästhetische Brust-OP ist ein geplanter Eingriff. Es gibt keinen Zeitdruck, und genau das ist ein Vorteil: Die Operation kann auf einen Zeitpunkt gelegt werden, an dem Ihre Erkrankung stabil ist. Ein seriöser Brustchirurg nutzt diesen Spielraum, statt einen schnellen Termin anzubieten.
Vorerkrankungen können die Wundheilung beeinflussen, das Infektionsrisiko verändern, Wechselwirkungen mit Narkosemitteln haben oder eine Anpassung Ihrer Medikamente rund um den Eingriff nötig machen. Je früher der Chirurg davon weiß, desto besser kann er das Vorgehen abstimmen und mit Ihren behandelnden Ärzten Rücksprache halten.
Wie der Brustchirurg Ihre Vorgeschichte erfragt
Im Erstgespräch und im Anamnesebogen werden frühere Erkrankungen, Operationen, Allergien und aktuelle Medikamente abgefragt. Nehmen Sie diesen Bogen ernst und füllen Sie ihn vollständig aus, auch wenn Ihnen eine Diagnose unwichtig erscheint. Ein guter Brustchirurg fragt bei Unklarheiten nach und notiert, welche Befunde er zusätzlich braucht.
- Aktuelle Medikamentenliste mit Dosierung, auch Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate
- Arztbriefe oder Befunde der behandelnden Fachärzte, etwa aus Diabetologie, Endokrinologie oder Rheumatologie
- Aktuelle Laborwerte, wenn Ihre Ärztin sie regelmäßig kontrolliert
- Angaben zu früheren Narkosen und eventuellen Problemen dabei
Wie die Wochen vor dem Eingriff insgesamt ablaufen, lesen Sie im Beitrag Die letzten Wochen vor der Brust-OP.
Diabetes mellitus
Bei Diabetes steht die Frage im Mittelpunkt, wie gut der Blutzucker über längere Zeit eingestellt ist. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker kann die Wundheilung verzögern und das Risiko für Infektionen erhöhen. Für Implantat-Operationen ist das besonders relevant, weil eine Infektion im Bereich des Implantats aufwendig behandelt werden muss.
Der Brustchirurg wird deshalb nach Ihrem Langzeitwert fragen und gegebenenfalls Ihre Diabetologin einbeziehen. Gemeinsam wird besprochen, wie Insulin oder Tabletten am OP-Tag gehandhabt werden, wann Sie nüchtern sein müssen und wie der Blutzucker nach dem Eingriff kontrolliert wird. Ändern Sie Ihre Medikation niemals eigenständig, sondern nur nach Absprache.
Schilddrüsenerkrankungen
Eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse ist häufig und meist gut behandelbar. Für die Operation ist wichtig, dass die Werte im Normbereich liegen. Eine unbehandelte Überfunktion kann zum Beispiel Herz und Kreislauf belasten, was für die Narkose relevant ist. Deshalb fordern viele Chirurgen und Anästhesisten aktuelle Schilddrüsenwerte an, wenn eine solche Erkrankung bekannt ist.
Ihre Schilddrüsentabletten nehmen Sie in der Regel nach Rücksprache weiter. Wie das am OP-Morgen gehandhabt wird, klärt das Narkosegespräch vor der Brust-OP.
Autoimmunerkrankungen und immunsenkende Medikamente
Bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Lupus, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Hashimoto ist die Lage vielschichtiger. Hier kommt es darauf an, wie aktiv die Erkrankung gerade ist und welche Medikamente Sie nehmen. Kortison oder andere immunsenkende Mittel können die Wundheilung und die Abwehr gegen Infektionen beeinflussen.
Ein sorgfältiger Brustchirurg wird hier nicht allein entscheiden. Er stimmt sich mit Ihrer Rheumatologin oder dem behandelnden Facharzt ab, ob und wann eine Pause oder Anpassung der Medikamente sinnvoll ist. Manche Patientinnen mit Autoimmunerkrankung fragen sich außerdem, ob Silikonimplantate für sie geeignet sind. Diese Frage verdient ein ehrliches, ausgewogenes Gespräch über den aktuellen Wissensstand und mögliche Alternativen, etwa einen Eingriff ohne Implantat.
Weitere Erkrankungen, die Sie ansprechen sollten
- Gerinnungsstörungen oder eine frühere Thrombose
- Herz- und Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck
- Asthma oder andere Lungenerkrankungen
- Psychische Erkrankungen und die dazu eingenommenen Medikamente
- Frühere Brusterkrankungen oder auffällige Befunde in der Vorsorge
Wenn der Chirurg zum Abwarten rät
Es kann sein, dass der Brustchirurg den Eingriff verschiebt, bis Ihre Werte stabil sind, oder Ihnen von einer bestimmten Technik abrät. Das ist kein schlechtes Zeichen. Im Gegenteil: Ein Chirurg, der bei einer Vorerkrankung genauer hinsieht und lieber wartet, nimmt Ihre Sicherheit ernst. Bedenklich wäre eher, wenn Ihre Vorgeschichte gar nicht erfragt wird oder Befunde keine Rolle spielen.
Fragen Sie in einem solchen Fall nach, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit der Eingriff später möglich ist. Eine klare Antwort hilft Ihnen, mit Ihren behandelnden Ärzten auf ein Ziel hinzuarbeiten. Wie die Zusammenarbeit der beteiligten Ärzte funktioniert, beschreibt der Beitrag Brustchirurg, Frauenärztin und Hausarzt.
Nach der Operation: engere Kontrollen bei Vorerkrankung
Auch nach dem Eingriff spielt Ihre Erkrankung eine Rolle. Bei Diabetes wird der Blutzucker in den ersten Tagen oft häufiger gemessen, weil Stress, Schmerzen und veränderte Mahlzeiten ihn beeinflussen können. Bei immunsenkenden Medikamenten achten Chirurg und Patientin besonders auf Zeichen einer Infektion, etwa zunehmende Rötung, Überwärmung, Fieber oder neue Schmerzen an der Wunde.
Fragen Sie vorab, wann Sie bestimmte Medikamente wieder wie gewohnt einnehmen dürfen und wer Ihnen das freigibt. Klären Sie auch, ob die Nachsorgetermine bei Ihnen enger gelegt werden und an wen Sie sich wenden, wenn Ihre Werte nach der Operation aus dem Ruder laufen. Eine klare Absprache zwischen Brustchirurg und Hausärztin verhindert, dass Sie zwischen zwei Praxen hin und her geschickt werden.
Ihre Vorbereitung auf das Gespräch
Je besser Sie vorbereitet sind, desto konkreter kann der Brustchirurg Ihre Situation beurteilen. Hilfreich ist es, wenn Sie Folgendes mitbringen:
- Eine aktuelle, vollständige Medikamentenliste
- Kopien der letzten Arztbriefe und Laborwerte
- Kontaktdaten Ihrer behandelnden Fachärzte
- Ihre eigenen Fragen, zum Beispiel zur Heilung, zum Infektionsrisiko oder zur Wahl der Technik
Klären Sie außerdem, wer Ihre Befunde anfordert und bis wann sie vorliegen müssen. So vermeiden Sie, dass der Termin kurzfristig verlegt werden muss.
Beratung bei einem erfahrenen Brustchirurgen
Eine Vorerkrankung ist ein guter Grund, sich für die Wahl des Brustchirurgen besonders viel Zeit zu nehmen. Achten Sie auf einen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, der nachvollziehbar erklärt, wie er Ihre Erkrankung einbezieht, und der bereit ist, mit Ihren behandelnden Ärzten zu sprechen. Worauf Sie bei der Auswahl allgemein achten können, lesen Sie im Beitrag Erfahrung des Chirurgen: Fallzahlen und Spezialisierung.
Auf brustchirurg.com finden Sie weitere Informationen rund um das Beratungsgespräch und den Weg zur Operation. Wenn Sie Ihre Situation persönlich besprechen möchten, nutzen Sie das Kontaktformular und erwähnen Sie Ihre Vorerkrankung gleich bei der Anfrage. Dann kann das Erstgespräch gezielt vorbereitet werden.