Beratungsgespräch

Brustvergrößerung mit 18 oder Anfang 20: worauf ein seriöser Brustchirurg bei jungen Patientinnen achtet

Junge Patientinnen in der Brustsprechstunde

Viele Frauen, die sich über eine Brustvergrößerung informieren, sind gerade volljährig geworden oder Anfang 20. Der Wunsch ist oft seit Jahren da, und mit dem 18. Geburtstag scheint der Weg frei. Für eine seriöse Brustchirurgin oder einen seriösen Brustchirurgen beginnt an diesem Punkt aber eine besonders sorgfältige Beratung. Das hat nichts mit Misstrauen zu tun. Ein Implantat, das mit 19 eingesetzt wird, begleitet eine Frau durch Jahrzehnte voller Veränderungen, und die meisten dieser Veränderungen sind zum Zeitpunkt der Operation noch nicht absehbar. Dieser Beitrag zeigt, worauf gute Chirurginnen und Chirurgen bei jungen Patientinnen achten und welche Fragen Sie sich vorher selbst stellen sollten.

Rechtlicher Rahmen und Empfehlungen der Fachgesellschaften

In Deutschland gibt es für volljährige Frauen kein gesetzliches Mindestalter für eine ästhetische Brustvergrößerung. Mit 18 dürfen Sie selbst in die Operation einwilligen. Bei Minderjährigen ist die Lage anders: Hier müssten die Eltern zustimmen, und die plastisch-chirurgischen Fachgesellschaften raten von rein ästhetischen Eingriffen vor der Volljährigkeit ab. Seriöse Praxen halten sich daran.

Ein Blick über die Grenzen zeigt, wie unterschiedlich das Thema bewertet wird. In den USA sieht die Zulassung von Silikongelimplantaten für die rein ästhetische Vergrößerung ein Mindestalter von 22 Jahren vor. In Österreich regelt ein eigenes Gesetz ästhetische Operationen bei Jugendlichen. Diese Regeln gelten für Sie in Deutschland nicht unmittelbar, sie zeigen aber, dass das Alter bei der Entscheidung ernst genommen wird.

Ist die Brust schon fertig entwickelt?

Die Brustentwicklung ist bei den meisten Frauen mit Ende der Pubertät weitgehend abgeschlossen. Bei manchen verändern sich Größe und Form aber bis Anfang 20 noch spürbar, vor allem wenn sich das Körpergewicht noch einpendelt oder hormonelle Verhütung begonnen oder abgesetzt wird. Eine gute Chirurgin fragt deshalb nach:

  • ob sich Ihre Körbchengröße in den letzten ein bis zwei Jahren noch verändert hat,
  • ob Ihr Gewicht stabil ist oder Sie gerade zu- oder abnehmen,
  • ob Sie hormonell verhüten und ob sich daran bald etwas ändert,
  • ob die beiden Seiten sich unterschiedlich entwickelt haben.

Wenn sich die Brust noch verändert, ist es ein gutes Zeichen, wenn Ihnen zum Abwarten geraten wird. Eine Operation an einer Brust, die noch wächst oder deren Gewebe sich neu verteilt, führt eher zu Ergebnissen, die später nachkorrigiert werden müssen.

Junge Frau im Beratungsgespräch mit einer Brustchirurgin

Die lange Perspektive: was ein Implantat mit 19 bedeutet

Brustimplantate sind keine Lebenszeitprodukte. Viele Frauen brauchen im Laufe der Jahre mindestens eine weitere Operation, sei es wegen einer Kapselfibrose, eines Implantatdefekts, einer veränderten Brustform nach Schwangerschaft oder weil sich die eigenen Wünsche geändert haben. Je jünger Sie bei der ersten Operation sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie im Laufe Ihres Lebens mehrere Eingriffe haben werden. Ein ehrliches Beratungsgespräch spricht das offen an, einschließlich der Kosten, die dann jeweils erneut entstehen.

Dazu kommen Lebensphasen, die mit 19 noch weit weg wirken:

  • Schwangerschaft und Stillzeit: Die Brust vergrößert sich, das Gewebe dehnt sich, und nach dem Abstillen kann die Brust schlaffer sein als vorher. Mit Implantat lässt sich in vielen Fällen stillen, das sollte aber vorher besprochen werden, auch im Hinblick auf die Schnittführung.
  • Gewichtsveränderungen: Größere Schwankungen verändern das Verhältnis von Eigengewebe und Implantat.
  • Vorsorge: Ab einem bestimmten Alter kommen Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchungen dazu. Mit Implantaten sind sie möglich, erfordern aber Erfahrung in der Bildgebung.

Motivation und Erwartungen

Bei jungen Patientinnen fragen gute Chirurginnen und Chirurgen besonders genau nach den Beweggründen. Typische Fragen lauten: Seit wann besteht der Wunsch? Wer weiß davon? Gibt es Druck aus der Partnerschaft oder aus dem Freundeskreis? Welche Rolle spielen Bilder aus sozialen Medien? Und was soll sich nach der Operation im Leben ändern?

Diese Fragen sind kein Test, den man bestehen muss. Sie helfen, zwei Situationen zu erkennen, in denen eine Operation eher schadet: wenn der Wunsch vor allem von anderen kommt, und wenn eine tiefere Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper besteht, die eine Operation nicht lösen kann. Bei Hinweisen auf eine körperdysmorphe Störung, also eine übermäßige Beschäftigung mit einem vermeintlichen Makel, ist eine psychologische Abklärung sinnvoller als ein Eingriff. Mehr dazu, wie Eignung und Erwartungen in der Beratung geprüft werden, lesen Sie im Beitrag Eignung, Erwartungen und Kontraindikationen.

Wenn ein medizinischer Grund vorliegt

Anders kann die Situation bei angeborenen Formabweichungen sein, etwa bei einer tubulären Brust, einer ausgeprägten Seitenungleichheit oder einem Poland-Syndrom. Hier kann eine Korrektur auch in jüngeren Jahren besprochen werden, weil die seelische Belastung erheblich sein kann. Auch dann gilt aber: Die Planung sollte zum Entwicklungsstand der Brust passen, und manchmal wird ein Eingriff in mehreren Schritten geplant.

Notizblock mit Fragen für die Erstberatung zur Brustvergrößerung

Finanzierung und Bedenkzeit

Eine ästhetische Brustvergrößerung wird von der Krankenkasse nicht bezahlt. Gerade junge Patientinnen finanzieren sie häufig über einen Kredit. Ein seriöser Chirurg drängt nicht zu einer schnellen Entscheidung und bietet keine Rabatte für kurzfristige Zusagen an. Planen Sie zwischen Beratung und Operation genügend Zeit ein, und rechnen Sie Folgekosten für Nachsorge und spätere Eingriffe mit ein. Warum die Bedenkzeit eine Schutzfunktion hat, erklärt der Beitrag zur Bedenkzeit zwischen Beratung und Operation.

Fragen, die Sie sich vorher stellen sollten

  • Hat sich meine Brust in den letzten zwei Jahren noch verändert?
  • Würde ich die Operation auch wollen, wenn niemand davon erfährt?
  • Kann ich eine spätere Wechseloperation finanziell und zeitlich einplanen?
  • Habe ich mehr als eine Praxis zur Beratung aufgesucht?
  • Kenne ich die Risiken und kann ich sie mit eigenen Worten erklären?

Beratung ohne Zeitdruck

Wir nehmen uns für junge Patientinnen bewusst mehr Zeit. Im Erstgespräch klären wir, ob Ihre Brust ausgereift ist, welche Implantatgröße zu Ihrem Körper passt und was eine frühe Brustvergrößerung für die kommenden Jahrzehnte bedeutet. Wenn wir den Eindruck haben, dass Abwarten die bessere Entscheidung ist, sagen wir Ihnen das offen. Welche Fragen Sie in das erste Gespräch mitbringen sollten, finden Sie im Beitrag Erstgespräch beim Brustchirurgen, weitere Beiträge in der Rubrik Beratungsgespräch. Einen Termin vereinbaren Sie über unsere Kontaktseite, gern auch zusammen mit einer Vertrauensperson.

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