Der OP-Tag ist besser planbar, als es auf den ersten Blick erscheint.
Die Wochen vor einer Brustoperation sind gut dokumentiert. Es gibt Beratungen, Aufklärungen, Kostenvoranschläge und eine Bedenkzeit. Auch die Phase danach ist gut beschrieben: Heilungsphase, Kontrolltermine und eine Pause vom Sport. Dazwischen liegt jedoch ein Tag, über den erstaunlich wenig berichtet wird, obwohl er derjenige ist, vor dem die meisten Patientinnen nervös sind.
Dabei ist der Tag der Operation der am dichtesten strukturierte Teil des gesamten Ablaufs. Fast alles daran ist Routine und folgt einer festen Reihenfolge, die mehrfach kontrolliert wird. Wer den Ablauf kennt, erleichtert sich den Ablauf, da die Schritte vorhersehbar werden und die Anspannung reduziert wird. Dieser Text beschreibt den typischen Verlauf von der Ankunft bis zur Entlassung.
Eine Einschränkung vorweg: Details unterscheiden sich je nach Klinik, Eingriff und Narkoseform. Aufschlussreichster Ratgeber bleibt stets die Information der Klinik. Dennoch gleichen sich die groben Rahmenbedingungen.
Die Woche davor entscheidet mit
Der OP-Tag beginnt nicht direkt am OP-Tag. Einige Punkte werden bereits in den Tagen zuvor festgelegt und Ihnen individuell mitgeteilt. Der wichtigste Punkt betrifft Medikamente.
Blutverdünnende Mittel und bestimmte Schmerzmittel beeinflussen die Gerinnung und damit das Risiko einer Nachblutung. Ob und wann etwas pausiert wird, entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, und zwar in Kenntnis Ihrer gesamten Medikation. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab. Manche Präparate dürfen nicht ohne Rücksprache pausiert werden, weil sie eine Erkrankung behandeln, die schwerer wiegt als der geplante Eingriff. Umgekehrt gilt: Verschweigen Sie nichts, auch keine frei verkäuflichen Präparate und keine Nahrungsergänzungsmittel.
Der zweite Punkt betrifft Nikotin. Rauchen verengert die kleinen Gefäße, die das Gewebe nach einer Operation versorgen. Deshalb wird vor Eingriffen an der Brust regelmäßig eine Rauchpause verlangt. Dieser Anweisung liegt nicht nur eine moralische Forderung zugrunde, sondern auch der medizinische Grund, dass Wundheilungsstörungen nach Brustoperationen messbar häufiger auftreten. Die Dauer dieser Rauchpause wird Ihnen von Ihrer Klinik mitgeteilt.
Organisatorisches, das leicht untergeht
- Eine erwachsene Begleitperson sollte für den Heimweg und die erste Nachtruhe da sein.
- Freistellung von der Arbeit, die großzügiger geplant ist als der optimistischste Fall.
- Vorbereitung von Einkäufen und des Haushalts, da Heben in den ersten Wochen eingeschränkt ist.
- Ein Schlafplatz mit erhöhtem Oberkörper.
Ankunft und Aufnahme
Sie kommen nüchtern. Ihnen wird davor erklärt, was genau damit gemeint ist. Diese Erklärung ist strenger, als viele erwarten: In der Regel sollten Sie ab dem Vorabend keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen und klare Flüssigkeiten nur bis zu einem festgelegten Zeitpunkt trinken.
Bei der Aufnahme werden Ihre Identität, den geplanten Eingriff und die Seite abgeglichen. Sie werden mehrfach dasselbe gefragt: Wie heißen Sie, wann sind Sie geboren und was ist heute geplant? Dies ist kein Zeichen von Vergesslichkeit, sondern ein Sicherheitsverfahren. Diese Doppelung ist Absicht und international üblich.
Was Sie mitbringen und was Sie zu Hause lassen sollten.
- Bitte bringen Sie Ihren Ausweis, Ihre Versicherungsunterlagen, Ihre Vorbefunde und die Liste Ihrer Medikamente mit.
- Bequeme Kleidung, die vorne geöffnet ist und nicht über den Kopf gezogen werden muss.
- Den verordneten Stütz-BH, falls dieser vorab besorgt werden sollte.
- Keine Schminke, kein Nagellack auf mindestens einem Finger, keine Kontaktlinsen, kein Schmuck und keine Piercings.
Der Nagellack hat einen bestimmten Grund: Über einen Clip am Finger wird die Sauerstoffsättigung gemessen, und der Lack kann diese Messung stören. Die meisten dieser Regeln wirken kleinlich, haben aber jeweils eine technische Begründung.
Anzeichnen und Narkosegespräch
Vor dem Eingriff werden Sie im Stehen angezeichnet. Dies hat einen Grund: Im Liegen verlagert sich das Brustgewebe, und die Schwerkraft beeinflusst das spätere Ergebnis. Die Markierungen legen die Schnittführung, die Mittellinie und die geplanten Grenzen der Implantattasche fest. Dieser Schritt dauert und wird nicht abgekürzt.
Nutzen Sie diesen Moment. Es ist die letzte Chance, im Stehen vor einem Spiegel über das Ergebnis zu sprechen. Wenn etwas nicht Ihren Erwartungen entspricht, sagen Sie es jetzt, nicht später.
Danach folgt das Gespräch mit der Anästhesie, falls es nicht bereits vorab stattgefunden hat. Hier geht es um Vorerkrankungen, Medikamente, frühere Narkosen und um Zähne, weil beim Einführen des Beatmungsschlauchs lockere Kronen gefährdet sein können. Wer im OP dabei ist und welche Rolle die einzelnen Personen haben, beschreibt der Beitrag zu Anästhesist und OP-Team.
Der Eingriff selbst
Von dem Eingriff werden Sie nichts mitbekommen. Der Zugang wird gelegt, und das Narkosemittel wirkt bereits Sekunden später. Der nächste bewusste Eindruck ist dann der Aufwachraum. Subjektiv vergeht dazwischen keine Zeit.
Die tatsächliche Dauer der Operation richtet sich nach dem spezifischen Eingriff. Für Ihre Angehörigen ist die Gesamtzeit, einschließlich der Vorbereitung, der Entfernung aus dem OP und der Aufwachzeit, länger als die reine OP-Dauer. Es ist hilfreich, dies vorab zu erwähnen, damit niemand nervös auf die Uhr sieht, basierend auf der ursprünglich geplanten Dauer.
| Abschnitt | Was passiert | Was Sie davon merken |
|---|---|---|
| Aufnahme | Identitätscheck, Unterlagen, Umkleiden | Wiederholte Fragen, Wartezeit |
| Anzeichnen | Markierung im Stehen | Letzte Absprache vor dem Spiegel |
| Narkoseeinleitung | Zugang, Medikamente, Beatmung | Sekunden bis zum Einschlafen |
| Operation | Der Eingriff | Nichts |
| Aufwachraum | Überwachung von Kreislauf und Schmerz | Benommenheit, Frieren, Durst |
| Entlassung oder Station | Kontrolle, Verhaltensregeln, Rezepte | Gespräch, das Sie oft nur halb erinnern |
Aufwachen und die ersten Stunden
Der Aufwachraum ist ein spezieller Bereich. Dort werden Sie überwacht, bis Ihr Kreislauf und Ihre Atmung stabil sind und Ihre Schmerzen gut kontrolliert werden. Häufig sind Symptome wie Frieren, Übelkeit, trockener Mund sowie ein Gefühl von Druck oder Schwere auf der Brust zu erwarten. Das Frieren nach einer Narkose ist verbreitet und kein schlechtes Zeichen.
In dieser Phase sollten Sie uns sagen, wenn Sie Schmerzen haben. Es gibt keinen Vorteil darin, sie auszuhalten. Schmerztherapie wirkt effektiver, wenn sie frühzeitig eingesetzt wird, anstatt einen bereits starken Schmerz zu bekämpfen. Die Frage nach der Schmerzstärke auf einer Skala ist ernst gemeint und beeinflusst die Dosis.
Auch das Zeitgefühl ist in dieser Phase unzuverlässig. Viele Patientinnen sind überzeugt, nur wenige Minuten im Aufwachraum verbracht zu haben, obwohl tatsächlich eine Stunde vergangen ist. Andere erinnern sich nicht an Gespräche, die sie selbst geführt haben. Beides ist normal und liegt an der Wirkung der Narkosemittel auf das Gedächtnis, nicht an einer Komplikation. Wenn Ihre Begleitperson Ihnen später erzählt, Sie hätten am Telefon ausführlich berichtet, wie es Ihnen geht, dann stimmt das wahrscheinlich.
Ambulant oder eine Nacht bleiben
Ob Sie am selben Tag nach Hause gehen, hängt vom Eingriff, der Narkose und Ihrer Verfassung ab. Wenn Sie ambulant entlassen werden, brauchen Sie zwingend eine erwachsene Begleitperson und dürfen weder selbst fahren noch die ersten 24 Stunden allein bleiben. Das ist keine Empfehlung, sondern Voraussetzung für die Entlassung, weil Narkosemittel Reaktionsfähigkeit und Urteilsvermögen länger beeinflussen, als sich das anfühlt.
Wo ein Eingriff stattfindet und welche Struktur dahinter steht, ist Thema des Beitrags zu akkreditierter Klinik und Praxis-OP.
Das Entlassungsgespräch, das Sie nicht aufbewahren
Am Ende erhalten Sie Verhaltensregeln, Rezepte, einen Kontrolltermin sowie eine Notfallnummer. Und dann tritt ein Phänomen ein, das viele unterschätzen: Später erinnern Sie sich an wenig davon. Nach einer Narkose bleibt Ihr Gedächtnis für Stunden unzuverlässig, selbst wenn Sie sich wach und vernünftig fühlen.
Deshalb zwei praktische Punkte. Erstens: Lassen Sie sich alles schriftlich geben und stecken Sie es ein. Zweitens: Die Begleitperson sollte beim Gespräch dabei sein und mithören. Sie wird sich an Dinge erinnern, die Ihnen entfallen sind. Was danach folgt und welche Kontrollen dazugehören, steht im Beitrag zur Nachsorge beim Brustchirurgen.
Ein Ablauf, den Sie vorher kennen sollten, ist wichtig.
Bei uns erhalten Patientinnen den Ablauf des OP-Tages vorab schriftlich, mit Uhrzeiten, Nüchternheitsgrenze, Packliste und der Nummer, die im Zweifel abends erreichbar ist. Dies kostet uns wenig und nimmt viel Unruhe aus einem Tag, der ohnehin genug davon hat. Fragen dazu klären wir lieber eine Woche vorher als am Morgen im Wartebereich.
Wenn Sie vor einer Entscheidung stehen oder einen konkreten Ablaufplan für Ihren Eingriff besprechen möchten, erreichen Sie uns über das Kontaktformular. Weitere Beiträge rund um den Eingriff finden Sie in der Kategorie Brustvergrößerung.
Wenn Sie am Morgen der Operation zum vierten Mal Ihren Namen und Ihr Geburtsdatum sagen, funktioniert dieser Teil des Prozesses.