Wer zum ersten Mal zur Beratung für eine Brustvergrößerung oder Bruststraffung kommt, erwartet oft ein Gespräch über Wunschgrößen und Fotos. Ein guter Brustchirurg nimmt sich aber auch Zeit für etwas Unspektakuläres: Er misst. Mit einem Maßband, manchmal mit einem Messschieber und mit den Fingern prüft er, wie Ihre Brust und Ihr Brustkorb gebaut sind. Diese Werte entscheiden mit darüber, welches Implantat überhaupt infrage kommt, wo es liegen sollte und ob eine Straffung nötig ist.
Dieser Beitrag erklärt, welche Maße in der Planung üblich sind, was der sogenannte Pinch-Test aussagt und warum die Vermessung kein Formalismus ist. So können Sie im Termin besser nachvollziehen, was passiert, und gezielt nachfragen. Die Bewertung Ihrer Werte und die daraus folgenden Empfehlungen bleiben selbstverständlich Sache Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.
Warum Wunschgröße allein nicht reicht
Viele Patientinnen kommen mit einer Vorstellung in Körbchengrößen oder Millilitern. Beides sagt wenig darüber, wie ein Implantat in einem bestimmten Körper aussieht. 300 Milliliter wirken an einem schmalen Brustkorb mit dünner Haut ganz anders als an einem breiten Brustkorb mit kräftigem Drüsengewebe. Der Chirurg muss deshalb wissen, wie breit die Brust ist, wie viel eigenes Gewebe das Implantat bedecken wird und wie dehnbar die Haut ist. Erst aus diesen Werten ergibt sich ein Rahmen, in dem Ihre Wunschgröße sinnvoll umgesetzt werden kann.
Eine Planung, die die Anatomie berücksichtigt, wird in Fachkreisen oft als gewebebasiert bezeichnet. Das Ziel ist ein Implantat, das zum Körper passt und auch nach Jahren nicht durch zu großes Gewicht die Haut überdehnt. In unserem Beitrag zu Eignung und Erwartungen aus Beratungssicht lesen Sie, wie Wunsch und Machbarkeit im Gespräch zusammengebracht werden.
Die wichtigsten Maße im Überblick
Welche Werte genau erhoben werden, unterscheidet sich von Praxis zu Praxis. Die folgenden Maße gehören in vielen Planungssystemen zum Standard. Gemessen wird meist im Stehen, mit locker hängenden Armen.
| Maß | Was gemessen wird | Wofür es wichtig ist |
|---|---|---|
| Basisbreite der Brust | Breite der Brust an ihrer Basis, vom inneren zum äußeren Rand | Legt fest, wie breit das Implantat höchstens sein sollte |
| Abstand Jugulum zur Brustwarze | Strecke von der Grube am Halsansatz bis zur Mamille | Zeigt die Höhe der Brustwarze und eine mögliche Senkung |
| Abstand Brustwarze zur Unterbrustfalte | Strecke im Ruhezustand und unter leichtem Zug | Hinweis auf Hautdehnbarkeit und auf die künftige Faltenposition |
| Abstand der Brüste zueinander | Lücke zwischen den inneren Rändern | Beeinflusst, wie nah die Implantate zusammenrücken können |
| Hautdicke (Pinch-Test) | Gewebedicke oben und unten an der Brust | Entscheidet mit über die Implantatlage vor oder hinter dem Muskel |
Basisbreite
Die Basisbreite ist für viele Chirurgen der Ausgangspunkt. Ein Implantat, das deutlich breiter ist als die eigene Brust, kann seitlich in die Achsel rutschen oder zur Mitte hin sichtbar werden. Ein zu schmales Implantat dagegen füllt die Brust nicht aus und wirkt wie ein runder Hügel auf dem Brustkorb.
Abstände zur Brustwarze
Die Strecke vom Halsansatz zur Brustwarze zeigt, ob die Brust bereits gesunken ist. Gemeinsam mit der Lage der Brustwarze im Verhältnis zur Unterbrustfalte hilft sie bei der Frage, ob ein Implantat allein ausreicht oder ob zusätzlich gestrafft werden sollte. Der Abstand von der Brustwarze zur Unterbrustfalte, gemessen unter sanfter Dehnung, gibt einen Eindruck davon, wie viel die Haut nachgibt und wo die Falte nach der Operation liegen wird.
Der Pinch-Test: wie viel Gewebe deckt das Implantat?
Beim Pinch-Test nimmt der Chirurg eine Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger, meist im oberen Teil der Brust und an der Unterbrustfalte, und schätzt oder misst deren Dicke. Diese Falte entspricht ungefähr der doppelten Schicht aus Haut und Unterhautfett, die später über dem Implantat liegt.
Ist die Schicht im oberen Brustbereich sehr dünn, zeichnet sich ein Implantat dort leichter ab. Kanten und Wellen können sichtbar oder tastbar werden. In solchen Fällen wird oft empfohlen, das Implantat ganz oder teilweise hinter den Brustmuskel zu legen, damit mehr Gewebe darüber liegt. Bei ausreichend dicker Gewebeschicht kommt auch eine Lage vor dem Muskel infrage. Feste Grenzwerte gibt es dafür nicht, die Beurteilung bleibt eine ärztliche Abwägung zusammen mit Ihren Wünschen und Ihrem Alltag, etwa wenn Sie viel Krafttraining machen.
Was außerdem untersucht wird
Neben den Zahlen achtet der Chirurg auf Dinge, die sich schwer in Zentimetern ausdrücken lassen:
- Asymmetrien: Fast keine Frau hat zwei gleiche Brüste. Unterschiede in Volumen, Höhe der Unterbrustfalte oder Stellung der Brustwarze werden notiert, weil sie nach der Operation oft deutlicher wirken.
- Brustkorbform: Ein vorgewölbtes oder eingesunkenes Brustbein und eine leichte Skoliose beeinflussen, wie die Implantate später stehen.
- Hautqualität: Dehnungsstreifen, sehr elastische oder sehr straffe Haut verändern die Planung.
- Drüsengewebe: Konsistenz und Verteilung des Gewebes, auch als Teil der Tastuntersuchung auf Auffälligkeiten.
- Form der Brust: Eine tubuläre Brust mit enger Basis oder eine sehr tief stehende Unterbrustfalte erfordert ein eigenes Vorgehen.
Viele Praxen ergänzen die Vermessung durch standardisierte Fotos, die in Ihrer Akte bleiben. Wie mit diesen Bildern umgegangen wird, erläutert der Beitrag zur Fotodokumentation in der Beratung. Eine 3D-Simulation kann helfen, sich das Ergebnis vorzustellen. Sie ersetzt aber nicht die Messung von Hand, denn Gewebedicke und Dehnbarkeit erfasst die Kamera nicht.
Wie aus den Messwerten eine Empfehlung wird
Aus Basisbreite, Gewebedicke und Hautdehnung ergibt sich ein Bereich, in dem Implantatbreite und Volumen liegen sollten. Innerhalb dieses Bereichs wählt der Chirurg gemeinsam mit Ihnen Profil und Größe aus. Häufig werden dazu Probeimplantate in einem speziellen BH getragen, damit Sie ein Gefühl für die Größe bekommen. Bei Patientinnen, die sich eine sehr große Brust wünschen, zeigen die Messwerte manchmal klar, dass das gewünschte Volumen das Gewebe auf Dauer überfordern würde. Ein seriöser Chirurg sagt Ihnen das offen und erklärt seine Gründe, statt einfach das Gewünschte einzusetzen.
Die Werte werden in der Patientenakte festgehalten. Fragen Sie ruhig nach einer Kopie, wenn Sie eine Zweitmeinung einholen möchten. So muss die zweite Praxis nicht bei null anfangen, auch wenn sie in der Regel selbst noch einmal misst.
Woran Sie eine sorgfältige Planung erkennen
- Der Chirurg misst selbst und erklärt, was er misst.
- Sie erfahren, warum ein bestimmtes Implantat für Ihre Maße vorgeschlagen wird und welche Alternativen es gäbe.
- Asymmetrien werden vor der Operation angesprochen, nicht erst danach.
- Die Empfehlung zur Lage des Implantats wird mit Ihrer Gewebedicke begründet.
- Sie bekommen Zeit, über den Vorschlag nachzudenken. Mehr dazu im Beitrag zur Bedenkzeit zwischen Beratung und Operation.
Ihre Vermessung im Beratungsgespräch bei uns
In unserer Sprechstunde gehört die Vermessung Ihrer Brust fest zum Erstgespräch. Wir messen, tasten und dokumentieren, bevor wir über Implantatgrößen sprechen, und erklären Ihnen jeden Wert in verständlichen Worten. Danach zeigen wir Ihnen, welcher Bereich an Breite und Volumen zu Ihrem Körper passt, und probieren mit Ihnen verschiedene Größen aus. Falls bei Ihnen eine Asymmetrie oder eine besondere Brustform vorliegt, besprechen wir, ob eine Brustformkorrektur sinnvoll sein kann. Weitere Beiträge zur Größenwahl finden Sie in der Rubrik Implantatgrößen. Einen Beratungstermin vereinbaren Sie über unsere Kontaktseite. Bringen Sie zum Termin gern einen gut sitzenden BH ohne Polster und ein eng anliegendes Oberteil mit, damit Sie die Probeimplantate realistisch beurteilen können.