Langzeitpflege

Arztwechsel nach der Brust-OP: Umzug, Praxisschließung und wie Ihre Nachsorge weiterläuft

Wenn der eigene Brustchirurg nicht mehr erreichbar ist

Im Idealfall begleitet Sie die Praxis, die Sie operiert hat, über viele Jahre. Sie kennt Ihre Ausgangslage, Ihr Implantat und Ihren Heilungsverlauf. Das Leben hält sich aber nicht immer an diesen Plan. Sie ziehen in eine andere Stadt, der Chirurg geht in den Ruhestand, die Praxis schließt, oder das Vertrauen ist nach einer Komplikation verloren gegangen. Dann stellt sich die Frage, wie die Nachsorge weitergeht und was Sie dafür brauchen.

Ein Arztwechsel nach einer Brust-OP ist kein Problem, wenn Sie gut vorbereitet sind. Dieser Beitrag zeigt, welche Unterlagen Sie sichern sollten, wie Sie einen neuen Brustchirurgen finden und welche Punkte beim ersten Termin in der neuen Praxis wichtig sind.

Typische Anlässe für einen Wechsel

  • Umzug: Die Kontrolltermine sind über weite Strecken unpraktisch, vor allem wenn später Ultraschall oder MRT dazukommen.
  • Ruhestand oder Praxisschließung: Die Ärztin, die Sie operiert hat, praktiziert nicht mehr, oder die Klinik hat den Betrieb eingestellt.
  • Vertrauensverlust: Nach einem unbefriedigenden Ergebnis oder schlechter Erreichbarkeit möchten Sie lieber eine andere Meinung hören.
  • Operation im Ausland: Die Nachsorge vor Ort war von Anfang an nicht eingeplant, und Sie suchen eine Praxis in Ihrer Nähe.

Je nach Anlass ist die Ausgangslage etwas anders. Bei einem Umzug können Sie den Wechsel in Ruhe mit der bisherigen Praxis absprechen. Bei einer Schließung müssen Sie unter Umständen erst herausfinden, wo Ihre Akte gelandet ist.

Diese Unterlagen sollten Sie sichern

Für die neue Praxis ist entscheidend, was bei Ihrer OP gemacht wurde. Fordern Sie deshalb möglichst früh Kopien an:

  • Implantatpass mit Hersteller, Modell, Volumen, Oberfläche und Seriennummer beider Implantate
  • Operationsbericht mit Zugangsweg, Implantatlage und Besonderheiten
  • Arztbriefe und Entlassungsbericht
  • Befunde von Nachsorgeuntersuchungen, Ultraschall- oder MRT-Bilder mit Befundtext
  • Fotodokumentation vor und nach der OP, sofern vorhanden

Sie haben ein Recht auf Einsicht in Ihre Behandlungsakte und auf Kopien. Wie Sie die Unterlagen anfordern, beschreibt der Beitrag Behandlungsunterlagen anfordern. Was im OP-Bericht steht und warum er für spätere Eingriffe so wertvoll ist, erklärt der Beitrag Der Operationsbericht nach Ihrer Brust-OP.

Mappe mit Implantatpass, OP-Bericht und Befunden nach einer Brust-OP

Wenn die Praxis geschlossen hat

Ärztinnen und Ärzte müssen Behandlungsunterlagen auch nach dem Ende ihrer Tätigkeit aufbewahren, in Deutschland in der Regel mindestens zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung. Wird eine Praxis übergeben, liegen die Akten meist beim Nachfolger. Wird sie geschlossen, übernimmt häufig eine beauftragte Stelle die Aufbewahrung. Wenn Sie nicht wissen, an wen Sie sich wenden sollen, kann die zuständige Landesärztekammer weiterhelfen. Bei Klinik-OPs ist die Klinik selbst oder ihr Rechtsnachfolger Ansprechpartner.

Fehlen Unterlagen ganz, ist das nicht das Ende. Viele Angaben zum Implantat lassen sich über Ihren Implantatpass rekonstruieren. Seit Einführung des Implantateregisters in Deutschland werden Brustimplantate außerdem zentral erfasst. Den Implantatpass sollten Sie deshalb an einem sicheren Ort aufbewahren und zusätzlich fotografieren.

So finden Sie die richtige neue Praxis

Für die Nachsorge nach einer Brust-OP brauchen Sie eine Praxis mit Erfahrung in Brustchirurgie, die Implantate untersuchen und bei Bedarf auch operieren kann. Achten Sie auf diese Punkte:

KriteriumWarum es zählt
Facharzt für Plastische und Ästhetische ChirurgieSicherheit, dass Komplikationen erkannt und behandelt werden
Erfahrung mit Implantatwechseln und KorrekturenFalls später ein Eingriff nötig wird, muss nicht erneut gewechselt werden
Ultraschall in der Praxis oder enge Zusammenarbeit mit RadiologieKontrollen lassen sich ohne lange Wege organisieren
Bereitschaft, Fremd-OPs zu übernehmenNicht jede Praxis betreut Patientinnen, die woanders operiert wurden

Fragen Sie bei der Terminvereinbarung direkt, ob die Praxis Nachsorge nach Fremd-OPs anbietet und was ein erster Kontrolltermin kostet. Ästhetische Nachsorge ist in der Regel eine Selbstzahlerleistung.

Der erste Termin in der neuen Praxis

Beim ersten Besuch verschafft sich die neue Ärztin einen Überblick. Sie liest Ihre Unterlagen, fragt nach dem Verlauf seit der OP und untersucht die Brust. Häufig gehört ein Ultraschall dazu, um Lage und Zustand der Implantate zu prüfen. Anschließend wird besprochen, in welchem Abstand weitere Kontrollen sinnvoll sind. Welche Untersuchungen in welchem Zeitraum üblich sind, lesen Sie im Beitrag Nachsorgetermine beim Brustchirurgen.

Was Sie offen ansprechen sollten

  • Beschwerden oder Veränderungen seit der OP, auch wenn sie Ihnen klein erscheinen
  • Komplikationen, Nachoperationen oder Behandlungen mit Antibiotika
  • Ob Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind oder sich etwas anders wünschen
  • Geplante Schwangerschaften, größere Gewichtsveränderungen oder anstehende Brustkrebsvorsorge
Brustchirurgin sieht mit einer neuen Patientin deren Unterlagen durch

Garantie und Kulanz beim Wechsel

Die Herstellergarantie ist an das Implantat gebunden, nicht an die Praxis. Sie bleibt also bestehen, wenn Sie den Arzt wechseln. Voraussetzung ist meist, dass Sie Modell und Seriennummer nachweisen können und dass der Schaden innerhalb der Garantiebedingungen liegt. Anders sieht es bei Kulanzregelungen der operierenden Praxis aus, etwa einer vergünstigten Korrektur in den ersten Monaten. Solche Zusagen gelten meist nur in der eigenen Praxis. Lesen Sie Ihren Behandlungsvertrag, bevor Sie einen Folgeeingriff woanders planen.

Checkliste: so gelingt der Wechsel Schritt für Schritt

  1. Unterlagen anfordern: Bitten Sie Ihre bisherige Praxis schriftlich um Kopien von Implantatpass, OP-Bericht, Arztbriefen und Befunden. Heben Sie die Anfrage auf.
  2. Digitale Kopie anlegen: Scannen oder fotografieren Sie alle Dokumente und speichern Sie sie an einem sicheren Ort. So gehen sie bei einem weiteren Umzug nicht verloren.
  3. Neue Praxis auswählen: Fragen Sie vorab, ob Patientinnen nach Fremd-OPs betreut werden und welche Untersuchungen beim ersten Termin üblich sind.
  4. Unterlagen vorab schicken: Viele Praxen sehen sich Befunde gern vor dem Termin an. Das spart Zeit im Gespräch.
  5. Fragen notieren: Schreiben Sie auf, was Sie beschäftigt, auch kleine Veränderungen, die Ihnen seit der OP aufgefallen sind.
  6. Kontrollrhythmus festlegen: Vereinbaren Sie mit der neuen Praxis, wann der nächste Termin ist und wann eine Bildgebung sinnvoll wird.
  7. Andere Ärzte informieren: Teilen Sie Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Hausarzt mit, wer jetzt Ihre Nachsorge übernimmt.

Häufige Fragen zum Arztwechsel

Muss ich meinem bisherigen Chirurgen einen Grund nennen?

Nein. Die freie Arztwahl erlaubt Ihnen, jederzeit eine andere Praxis aufzusuchen. Ihr Recht auf Kopien Ihrer Unterlagen hängt nicht davon ab, warum Sie wechseln.

Kostet die Herausgabe der Unterlagen etwas?

Für Kopien darf eine Praxis unter Umständen eine Erstattung der Kosten verlangen. Nach der Datenschutz-Grundverordnung steht Ihnen zudem eine erste Kopie Ihrer Daten grundsätzlich unentgeltlich zu. Fragen Sie im Zweifel nach, welche Regelung die Praxis anwendet.

Was, wenn die neue Praxis mein Implantatmodell nicht kennt?

Mit Hersteller, Modell und Seriennummer aus dem Implantatpass kann jede erfahrene Praxis die technischen Daten beim Hersteller nachschlagen. Fehlen diese Angaben, hilft der OP-Bericht oder eine Anfrage an die Klinik, in der Sie operiert wurden.

Nachsorge und Korrekturen in unserer Praxis

Wir betreuen regelmäßig Patientinnen, die anderswo operiert wurden, ob nach einem Umzug, nach einer Praxisschließung oder nach einer OP im Ausland. Bringen Sie Ihre Unterlagen mit, auch wenn sie unvollständig sind. Wir untersuchen Ihre Brust, ordnen die Befunde ein und planen die weiteren Kontrollen. Ist ein Eingriff nötig, besprechen wir einen Implantatwechsel offen mit allen Alternativen. Weitere Beiträge zur langfristigen Betreuung finden Sie in der Rubrik Langzeitpflege, einen Termin vereinbaren Sie über unsere Kontaktseite.

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