Heilungsprozess

Krankschreibung nach der Brust-OP: was der Chirurg attestiert und was Sie Ihrem Arbeitgeber sagen müssen

Krankschreibung nach der Brust-OP: was der Chirurg attestiert und was Sie Ihrem Arbeitgeber sagen müssen

Nach einer Brustoperation sind Sie für eine gewisse Zeit nicht arbeitsfähig, und das wirft praktische Fragen auf, die im Beratungsgespräch oft zu kurz kommen: Wer stellt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus? Wie lange? Muss der Arbeitgeber wissen, worum es geht? Bekomme ich in dieser Zeit mein Gehalt? Und was ist, wenn die Heilung länger dauert als geplant? Die Antworten unterscheiden sich je nachdem, ob die Operation medizinisch begründet oder rein ästhetisch ist, und sie unterscheiden sich zwischen Deutschland und Österreich. Dieser Beitrag ordnet die Fragen für Sie ein; für die rechtliche Bewertung Ihres Einzelfalls sollten Sie sich bei Ihrer Krankenkasse oder einer Rechtsberatung erkundigen.

Wer die Bescheinigung ausstellt

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung stellt in der Regel die operierende Ärztin oder der operierende Arzt aus, bei der Entlassung oder beim ersten Nachsorgetermin. Sie gilt zunächst für den absehbaren Zeitraum und wird bei Bedarf verlängert; die Verlängerung kann auch die Hausärztin oder der Hausarzt übernehmen, wenn die Praxis des Chirurgen weit entfernt liegt. Die Bescheinigung nennt keine Diagnose gegenüber dem Arbeitgeber. Auf der Ausfertigung für den Arbeitgeber steht nur, dass und wie lange Sie arbeitsunfähig sind; die Ausfertigung für die Krankenkasse enthält den Diagnoseschlüssel. In Deutschland läuft die Übermittlung an die Krankenkasse und der Abruf durch den Arbeitgeber seit 2023 elektronisch (eAU), Sie erhalten aber weiterhin einen Ausdruck für Ihre Unterlagen.

Klären Sie vor der Operation, wer die Bescheinigung ausstellt und ob eine Verlängerung telefonisch oder per Videosprechstunde möglich ist. Wie eine solche Sprechstunde abläuft, beschreibt unser Beitrag zur Videosprechstunde beim Brustchirurgen.

Aerztin fuellt eine Arbeitsunfaehigkeitsbescheinigung am Schreibtisch aus

Wie lange Sie üblicherweise ausfallen

Die Dauer hängt vom Eingriff, von der Implantatlage und von Ihrer Tätigkeit ab. Die folgenden Spannen sind Erfahrungswerte, keine Zusagen; Ihr Chirurg legt die Dauer nach Ihrem Heilungsverlauf fest.

EingriffBürotätigkeitKörperlich fordernde Arbeit
Brustvergrößerung, Implantat über dem Muskeletwa 1 Woche3 bis 4 Wochen
Brustvergrößerung, Implantat unter dem Muskel1 bis 2 Wochen4 bis 6 Wochen
Bruststraffung1 bis 2 Wochen4 bis 6 Wochen
Brustverkleinerung2 bis 3 Wochen4 bis 6 Wochen
Implantatwechsel ohne Kapselentfernungetwa 1 Woche3 bis 4 Wochen
Implantatwechsel mit Kapselentfernung1 bis 2 Wochen4 bis 6 Wochen

Entscheidend ist nicht nur, ob Sie am Schreibtisch sitzen, sondern ob Ihre Arbeit Heben, Tragen, Überkopfarbeit, langes Stehen oder Kundenkontakt mit körperlicher Belastung verlangt. Pflegekräfte, Erzieherinnen, Friseurinnen und Verkäuferinnen fallen meist länger aus als die Tabelle für Bürotätigkeit angibt. Der Zeitpunkt der Operation im Jahr und im Arbeitskalender lässt sich planen; Hinweise dazu gibt der Beitrag zum richtigen Zeitpunkt für die Brust-OP.

Ästhetisch oder medizinisch: der Unterschied beim Geld

Hier liegt der Punkt, der die meisten überrascht. In Deutschland gilt: Bei einer Arbeitsunfähigkeit nach einer medizinisch nicht notwendigen, also rein ästhetischen Operation kann der Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber entfallen, weil die Arbeitsunfähigkeit als selbst verschuldet gewertet werden kann. Zudem erlaubt § 52 SGB V der gesetzlichen Krankenkasse, Krankengeld ganz oder teilweise zu versagen und sich an den Behandlungskosten von Folgeerkrankungen zu beteiligen, wenn die Erkrankung Folge einer ästhetischen Operation ist. Viele Patientinnen nehmen deshalb für die Ausfallzeit Urlaub oder klären vorab mit dem Arbeitgeber eine unbezahlte Freistellung.

Anders bei medizinisch begründeten Eingriffen: Eine Brustverkleinerung wegen Rücken- und Nackenbeschwerden, eine Rekonstruktion nach Tumoroperation oder der Wechsel eines defekten Implantats sind Behandlungen, bei denen Entgeltfortzahlung und Krankengeld wie bei jeder anderen Erkrankung greifen. Ob Ihr Eingriff als medizinisch notwendig gilt, entscheidet nicht Ihr Chirurg allein, sondern letztlich die Krankenkasse, oft nach einem Gutachten des Medizinischen Dienstes. Fragen Sie das vor der Operation ab und lassen Sie sich die Einstufung schriftlich geben.

In Österreich ist die Rechtslage eine andere; dort gelten für Entgeltfortzahlung und Krankengeld eigene Regeln, und auch die Frage, ob eine ästhetische Operation den Anspruch beeinflusst, ist anders geregelt. Patientinnen aus Österreich sollten das mit ihrer Krankenkasse und, bei Unsicherheit, mit der Arbeiterkammer klären.

Selbstständige und Beamtinnen

Wer selbstständig ist, hat keinen Arbeitgeber, der fortzahlt, und ist auf eine Krankentagegeldversicherung angewiesen. Viele dieser Verträge schließen Arbeitsunfähigkeit nach ästhetischen Operationen ausdrücklich aus; lesen Sie die Bedingungen vor der Terminvereinbarung, nicht danach. Für Beamtinnen gelten die beamtenrechtlichen Regelungen zur Dienstunfähigkeit, und die Beihilfe übernimmt Komplikationsbehandlungen nach ästhetischen Eingriffen nicht in jedem Fall. Privat Versicherte sollten ebenfalls prüfen, ob ihr Tarif Folgekosten ästhetischer Eingriffe ausschließt. Gemeinsam ist allen Fällen: Die Frage klärt sich vor der Operation mit einem Anruf, danach nur noch mit Aufwand.

Was Sie dem Arbeitgeber sagen müssen und was nicht

  • Die Diagnose oder die Art des Eingriffs müssen Sie nicht nennen. Die Bescheinigung reicht.
  • Wenn die Entgeltfortzahlung bei einer ästhetischen Operation entfallen kann, ist es fair und rechtlich sinnvoll, die Abwesenheit vorab als Urlaub oder Freistellung zu vereinbaren, statt eine Krankmeldung einzureichen, die später zu Rückforderungen führen könnte.
  • Bei einem Wiedereinstieg mit Einschränkungen (kein Heben über wenige Kilogramm für einige Wochen) kann Ihr Chirurg ein kurzes Attest über die Belastungsgrenzen ausstellen. Der Arbeitgeber erfährt dann die Einschränkung, nicht den Grund.
  • Planen Sie die Nachsorgetermine in die Rückkehr ein; welche Termine wann anstehen, listet der Beitrag zu den Nachsorgeterminen beim Brustchirurgen.
Kalender mit markierten Wochen fuer OP, Erholung und Rueckkehr an den Arbeitsplatz

Wenn die Heilung länger dauert

Ein Bluterguss, eine Wundheilungsstörung oder eine Infektion können die Ausfallzeit verlängern. Dann wird die Bescheinigung verlängert, und die Frage nach der Kostenübernahme stellt sich neu: Die Behandlung von Komplikationen ist Krankenbehandlung, die von der Krankenkasse getragen wird, wobei bei ästhetischen Eingriffen die genannte Beteiligung nach § 52 SGB V möglich ist. Sprechen Sie Verzögerungen früh mit dem Chirurgen an, damit die Verlängerung lückenlos erfolgt; eine Lücke in der Bescheinigung ist für Arbeitgeber und Kasse ein Problem, das sich später schwer heilen lässt.

Wie wir die Ausfallzeit mit Ihnen planen

Im Beratungsgespräch sprechen wir Ihre Tätigkeit konkret durch und geben Ihnen eine realistische Ausfallzeit für Ihren Eingriff und Ihren Beruf, nicht die kürzeste denkbare. Sie erhalten die Einstufung des Eingriffs als ästhetisch oder medizinisch schriftlich, damit Sie die Frage der Entgeltfortzahlung vorab mit Arbeitgeber und Krankenkasse klären können. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung stellen wir bei der Entlassung aus, Verlängerungen sind nach Rücksprache auch per Videosprechstunde möglich, und ein Attest über Belastungsgrenzen für den Wiedereinstieg gehört bei körperlich fordernden Berufen zur Entlassung dazu. Fragen dazu beantworten wir vor der Terminvereinbarung über die Kontaktseite.

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